Züchter oder vermehrer ?
Jeder schmilzt dahin beim Anblick süßer Hundewelpen.

Eines ist sicher:

Alle kleinen Hunde sind niedlich und putzig und so schön zum Knuddeln.

Und so manch ein Besitzer einer Hündin lässt sich gerne verleiten, sie decken zu lassen, um einen eigenen Wurf Aussie Welpen groß zu ziehen.

Denn schließlich findet jeder den eigenen Hund ganz besonders toll und liebenswert und wünscht sich daraus einen Nachkommen.

Und einen Wurf Welpen zur Welt bringen kann schließlich jeder weibliche Hund, selbst die missratenste Kreuzung.

Es wäre ja eigentlich gar nichts dagegen einzuwenden, dass ein Besitzer einer gesunden Hündin mit sehr guten Charaktereigenschaften und einem guten Körperbau, sich mit einem zur Hündin passenden Rüden für den Eigenbedarf einen Welpen ziehen würde.

Aber leider sind es ja meist mehr als nur ein Welpe, die dann eben auch vermittelt werden wollen, und von "Züchten" kann dabei keine Rede sein.

Sinnlos ist es, Hunde aller Rassen fröhlich durcheinander zu kreuzen, ohne Rücksicht auf Größe, rassebedingte Eigenschaften, Aussehen und Charakter.

Die Zuchtverbände " egal welcher Rasse " bemühen sich seit Jahrzehnten, manche seit Jahrhunderten, um einen ganz bestimmten Hundetyp mit ganz speziellen Eignungen und Eigenschaften.

Dies alles wird durch “wildes Züchten” in Frage gestellt.

Absolut widersinnig ist aber auch das wilde “Vermehren” von Hunden gleicher Rasse, bei dem es nur noch um den kommerziellen Gewinn geht, also mit möglichst vielen Welpen möglichst viel Geld zu machen.

Dabei sollte es eigentlich doch nicht um Quantität sondern um Qualität gehen!

Oft wird sinnlos vermehrt, manchmal wirklich nur mit den besten Absichten, aber leider ohne Verstand, nur weil man zufällig zwei Hunde gleicher Rasse hat.

Noch schlimmer sind solche Vermehrer, die ihre Hunde ausschließlich in Zwingern halten und die Welpen weit unter dem Standardpreis und oft in einem schlechten Gesundheitszustand abgeben, in den meisten Fällen, ohne die zukünftigen Besitzer eingehend über individuelle und rassetypische Eigenschaften des Welpen zu beraten.

Solche “selbsternannten Züchter” sind absolut unseriös und sollten auf gar keinen Fall unterstützt werden, auch wenn die Welpen noch so süß sind!

Was braucht man also, um seriös Aussie's zu züchten?

Nun erst mal sollte man sich gut überlegen, warum man eigentlich züchten möchte.

Geld verdienen lässt sich nämlich bei einer seriös und verantwortungsbewusst betriebenen Zucht nicht!

Stattdessen muss viel Zeit und Engagement investiert werden.

Weiterhin sollte man schon genau wissen, warum man nur diese eine bestimmte Rasse züchten möchte.

Nicht nur, weil man sie toll findet, sondern man muss schon über viele Hintergrundkenntnisse verfügen, um die positiven Eigenschaften der Rasse fördern und den Rassestandard verbessern zu können.

Ein seriöser Aussie Züchter befasst sich also so intensiv mit einer bestimmten Rasse, deren charakterlichen, gesundheitlichen und körperlichen Eigenschaften, Vorzügen und Nachteilen bestimmter Linien und der Vererbungslehre, dass wirklich nur diese eine Rasse gezüchtet werden kann.

Züchtet jemand mehrere Rassen gleichzeitig, ist das als nicht seriös zu betrachten.

Ein weiterer Anhaltspunkt für einen wirklich guten Züchter:

EIN GUTER AUSSIE ZÜCHTER MUSS NICHT IN DER ZEITUNG INSERIEREN!!!

Ein guter Aussie Züchter hat Wartelisten für seine Welpen, was unter Umständen schon mal eine Wartezeit von ein bis zwei Jahren mit sich bringen kann.

Ist man sich all dessen bewusst, müssen beide Eltern optimale Charaktereigenschaften haben, die einander ergänzen oder sich gut kombinieren lassen

(Es wäre beispielsweise nicht vorteilhaft, zwei sehr aktive, überschwängliche, nervöse Hunde miteinander zu verpaaren, ebenso wenig wie zwei sehr sensible).

Körperbau, Aussehen und Eignungen beider Eltern müssen so geartet sein, dass die Vorzüge in der Überzahl und die Nachteile verschwindend gering sind, denn nur dann lohnt es sich, daraus Nachkommen zu ziehen.

Ebenso müssen die Nachkommen beobachtet und gesundheitlich überprüft werden, um eine Aussage darüber treffen zu können, ob eine Verpaarung erfolgreich war und gegebenenfalls wiederholt werden darf.

Eine solch sorgfältige Zuchtauslese trägt dazu bei, gesundheitliche Schäden wie beispielsweise Hüftdysplasie, sonstige Erkrankungen des Bewegungsapparates, Herz- und Augenkrankheiten, ... usw.

sowie charakterliche Fehlentwicklungen wie Aggressivität, Nervosität oder Ängstlichkeit zu vermeiden.

Nicht automatisch jeder Hund mit Papieren sollte für die Zucht eingesetzt werden.

Ob ein Hund zuchttauglich ist oder nicht, entscheiden nicht nur Charakter, Gesundheit und Aussehen, sondern auch die Entsprechung des Rassestandards, was beispielsweise auf Zuchtschauen von Richtern überprüft und beurteilt werden kann.

Wurde der passende Partner für die Hündin gefunden und der Deckakt vollzogen, kommt nach einer Tragzeit von etwas mehr als zwei Monaten mit der Geburt der Welpen wieder viel Arbeit auf den Züchter zu.

Es kann sein, dass Geburtshilfe nötig ist.

Hündin und Welpen brauchen eine sichere, warme und ausreichend große Wurfkiste, nachdem die Hündin das nicht mehr selbst übernimmt, muss die Wurfkiste regelmäßig gesäubert werden, ab der 4.Woche müssen die Welpen zur Muttermilch Welpenfutter zugefüttert bekommen, die Welpen müssen entwurmt und gesundheitlich versorgt werden und das wichtigste:

sie müssen an ihre Umwelt gewöhnt werden, an all die Dinge, die ihnen in ihrem späteren Leben ständig begegnen:

Menschen, das Leben im Haus mit allen Gerüchen und Geräuschen, erwachsene Hunde, fremde Menschen, verschiedene Bodenuntergründe wie Beton, Steine, Wiese, ...usw., Staubsauger, Flugzeuglärm, Autofahren, ... und vieles mehr.

All das ist ab der Geburt mindestens 8 Wochen lang für einen seriösen Züchter eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die dazu beiträgt, die Welpen optimal auf ihr Leben vorzubereiten.

Eine weitere wichtige Aufgabe eines guten Züchters besteht darin, den passenden Welpen bzw. die passende Familie für den Welpen auszusuchen.

Der erfahrene Aussie Züchter kann durch genaue Beobachtung der Welpen bereits in den ersten Lebenswochen klare Aussagen über Charakter und Temperament eines jeden Hundes treffen.

Durch eingehende Beratung des zukünftigen Welpenbesitzers über die spezielle Rasse, ihre Besonderheiten und Ansprüche sowie über Welpenaufzucht im Allgemeinen und durch Überprüfung, ob die individuellen Eigenschaften des Welpen sich mit den Vorstellungen und Lebensgewohnheiten der neuen Besitzer vereinbaren lassen, suchen Züchter und Käufer gemeinsam den passenden Welpen aus.

Dabei können besondere Vorlieben (z.B. Farbe) zwar berücksichtigt werden, sollten aber bei der Auswahl nicht im Vordergrund stehen.

(ein guter Hund hat keine Farbe, er hat ein klares Wesen und einen guten Charakter).

Doch die Verantwortung eines Züchters endet nicht etwa mit der Abgabe der Welpen.

Er sollte weiterhin für alle Fragen und Probleme der Welpenkäufer ein zuverlässiger Ansprechpartner sein.

Außerdem ist es wie oben bereits erwähnt für den Züchter durchaus wichtig, wie sich die Nachkommen seiner Hunde entwickeln.

Leider gibt es kein Gesetz oder keine Institution, die das Züchten von Tieren regelt und somit Vermehrer davon abhalten könnte, immer mehr Hunde auf den Markt zu werfen.

Dieser Artikel soll einen kleinen Einblick in die Hundezucht bieten.

Außerdem liegt es mir besonders am Herzen, denjenigen, die sich einen Aussie anschaffen möchten,

bei der Auswahl des richtigen Hundes zu helfen und hoffentlich jedem bewusst zu machen,

dass seriöses und verantwortungsvolles Züchten nicht bedeutet, nur Welpen zu “produzieren”,

sondern mit viel Arbeitsaufwand,

Sorgfalt und Verantwortung verbunden ist.

   

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